Sonntag, Februar 10, 2019

un cadeau


Mir ging es nicht gut. Meinen fünfzigsten Geburtstag hatte ich allein zuhause verbracht, in Selbstmitleid versunken. Was für eine Bilanz! Mittelmäßiger Job, mittelmäßiges Liebesleben, mittelmäßiges Aussehen. Ich hatte mir Pornos angesehen und Mühe gehabt den Schwanz steif zu bekommen. Wann hatte ich das letzte Mal einen Mann mit in meine Wohnung genommen? Und wann war es das letzte Mal richtig befriedigend gewesen?
Ich zog die alte Jogginghose an. Das blaue Shirt spannte über dem Bauch, sicher nicht weil es eingelaufen war. Die Luft war frisch, aber es würde bald warm werden. Ich lief los, etwas unsicher zunächst, aber nach einer Weile entspannte ich mich, mein Körper fühlte sich gut an und ich kam nicht so schnell außer Atem wie ich befürchtet hatte. Hinter der Siedlung in der ich wohnte begannen die Felder. Kein Mensch zu sehen. Ich begann zu schwitzen und zog mir das Shirt aus. Hier sah mich niemand und meinem blassen Oberkörper würde die Sonne gut tun. So schlecht war ich doch nicht in Form. Ich bog vom Weg ab und lief querfeldein über die Wiesen. Wie angenehm es war die Muskeln zu spüren, den Schweiß der über mein Gesicht und meine Brust lief. 
Gerade als ich beschloss eine kleine Pause einzulegen sah ich ihn im Gras liegen. Es kam mir wie ein Wunder vor, als wenn ein höheres Wesen mir als Zeichen seiner Güte ein ganz besonderes Geschenk machen wollte. Der Typ lag dort nackt und vollkommen entspannt im Gras, die Arme ausgestreckt, ein Bein leicht angewinkelt, so dass ich alles an ihm betrachten konnte. Jede Stelle seines Körpers war für mich perfekt und es war als ob die Zeit stehengeblieben wäre, denn es fühlte sich an als ob Stunden vergingen bis ich alles in mir aufgenommen hatte. 
Oh Gott, wenn das jetzt nur ein Traum war? Aber in dem Moment öffnete er die Augen, lächelte mich an und bedeutete mir mit einer Geste mich neben ihn zu legen.

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